Ford GT70

Fast jeder Motorsportfan kennt den Ford GT40. Ende der 1960er Jahre gewann dieser flache Mittelmotor-Keil mit weit ins Dach ausgeschnittenen Türen viermal in Folge die 24 Stunden von Le Mans und weitere Sportwagenrennen. Einige Sportwagenenthusiasten erinnern sich möglicherweise auch an den GT90 den Ford 1995 als Hommage präsentierte. Eine Serienfertigung kam zur Enttäuschung vieler potenzieller Kunden nicht zustande. Erst der 2002 zum 100-jährigen Ford-Jubiläum präsentierte GT ging 2005 in Produktion. Und aktuell läuft erneut ein Mittelmotorsportwagen mit dem Kürzel „GT“ und optischen Anleihen des GT40 vom Band. Eine Zwischenstation aus den 1970er Jahren kennen hingegen nur wenige eingefleischte Ford-Fans. Im britischen Teil von Ford of Europe entstand 1970 ein reinrassiges Rallyeauto um gegen die Alpine A110 antreten zu können.

Design von Ercole Spada

Die Mittelklasselimousinen Zephyr und Zodiac der vierten Modellgeneration stellten die Basis. Allerdings verlagerte man zur besseren Gewichtsbalance den Motor hinter die beiden Passagiere. Die Grundidee ging gerüchteweise auf Motorsportdirektor Stuart Turner, Motorsportmanager Jochen Neerpasch und den britischen Rallyefahrer Roger Clark zurück. Diese drei saßen gemeinsam in einem Flugzeug von Ford auf dem Rückweg von der Rallye Monte Carlo 1969. Für das Design sorgte Ercole Spada. Er zeichnete einen kompakten, rundlichen Sportwagen, dessen Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestand und mit Klappscheinwerfern bestückt war. Letztere ersetzte man bei einigen Rallye-Einsätzen allerdings gegen fest verbaute runde Scheinwerfer auf der Haube. Aus dem GT40-Programm stieß Len Bailey zur Truppe um dem neuen Auto gute Fahrdynamik anzutrainieren.

Vier Motorisierungen

Schnell wurde jedoch klar, dass der hektisch entwickelte Plattformrahmen nicht verwindungssteif genug ausgelegt worden war. Je nach gewähltem Motor sorgte dies für Zuverlässigkeitsprobleme. Obwohl wegen einiger Streiks nur sechs Exemplare des Ford GT70 zwischen 1970 und 1971 entstanden sind, gab es vier unterschiedliche Motorisierungen. Neben dem Kent- und dem BDA-Vierzylinder mit je 1,6 Litern Hubraum gab es auch den Köln- (2,5 Liter) und den Essex-V6-Motor, letzterer mit drei Litern Hubraum. Die Leistung pendelte sich dabei zwischen 86 und 128 PS ein. Für die Kraftübertragung auf die Hinterräder sorgten Vier- oder Fünfgang-Getriebe von ZF oder Hewland. An der Hinterachse arbeitete ein mechanisches Sperrdifferenzial. Die kleineren Triebwerke erwiesen sich aufgrund ihres geringeren Gewichtes als besser geeignet für das Gesamtkonzept.

Kurze Karriere

Auf dem Brüsseler Autosalon im Januar 1970 debütierte der Ford GT70 offiziell. Neben dem Werkstestfahrer Gerry Birrell testeten auch die Rallyefahrer Roger Clark, Timo Mäkinen und Hannu Mikkola das Auto, um gezielt Verbesserungen einfließen zu lassen. Erst bei der Rallye Ronde Cevenole 1971 gab der GT70 schließlich mit Roger Clark am Steuer sein Debüt. Technische Kinderkrankheiten vereitelten eine Top-Ten-Position. Noch im gleichen Jahr starteten Francois Mazet und Jean Todt mit einem weiteren GT70 bei der Tour de France. Ihnen wurde ein Brückengeländer in den Alpen zum Verhängnis. Für die folgenden Jahre kündigte die FIA neue Regularien für die Rallye-Weltmeisterschaft an, die oft produzierte Serienautos bevorzugten. Somit lag der Entwicklungsfokus auf der zweiten Modellgeneration des Escort. Ghia präsentierte auf dem Turiner Autosalon ein kantiges Unikat auf Basis des sechsten GT70-Chassis. Zwei weitere gingen 1972 und 1973 in BP-Farben bei Asphaltrennen in Frankreich an den Start.

Bilder: Ford UK, Ghia